Afrikanische Tage

Es ist jetzt heiß hier bei uns, und es wird sogar noch heißer demnächst, im Dezember und Januar, und trotzdem sind unsere Tage nur ein wenig länger als im Winter, in der Trockenzeit. Heute wird die Sonne um 7 Uhr abends untergehen, und selbst in den nächsten Monaten wird sich das höchstens noch um eine halbe Stunde verlängern. Lange Sommerabende bei vollem Sonnenlicht wie in Deutschland im Hochsommer gibt es nicht.

Dennoch wird jedes Wochenende der Braai intensiv genutzt, egal, ob man einen Außenbraai oder einen Innenbraai hat. Die meisten, die ein Haus besitzen, haben ohnehin beides. Unser Nachbar hat sogar zwei Außenbraais, und sein Innenbraai ist wie eine Bierhalle ausgebaut, das nennt sich Entertainment Area. Wenn man ein Haus kaufen will, wird einem bei der Besichtigung das Entertainment Area immer besonders angepriesen. Je größer desto besser.

Das erstaunt viele Deutsche, die hierher auswandern, immer wieder. Nicht die Größe der Zimmer ist bedeutsam (die braucht man ja nur zum Schlafen, und deshalb können sie ruhig klein sein), sondern der große Bereich im Haus, in dem man Gäste empfangen kann. Meistens hat man draußen dann auch noch einen Lapa, in dem ebenfalls ein Braai eingebaut ist. Ein Lapa ist ein separater Platz, mit einem Buschgrasdach überdacht, sodass man in der Regenzeit geschützt ist, wenn es plötzlich anfängt zu regnen. Der Regen dauert zwar normalerweise nicht lange, aber er kann heftig sein.

Da hier das ganze Jahr über die Sonne scheint, ist alles, was im Haus ist, eher zweitrangig. Man hält sich ohnehin meistens draußen auf.

Wenn Namibier nach Deutschland kommen, ist es deshalb oft schwer für sie, sich umzustellen, weil dort fast alles drinnen stattfindet. Es gibt nur sehr kurze Wochen im Sommer, in denen man fast den ganzen Tag draußen sein kann. Da fühlt man sich dann richtiggehend eingesperrt.

Deshalb sind wir dann immer sehr froh, in unsere sonnige Heimat zurückzukommen, in der wir keine warme Kleidung brauchen, keine schweren Mäntel, keine dicken Pullover.

Es ist schwer zu beschreiben, wie sich so ein afrikanischer Tag anfühlt, wenn man es noch nie erlebt hat. Es ist jedenfalls etwas, auf das wir nicht verzichten können. Wenn man hier aufgewachsen ist, kann man sich einfach nicht vorstellen, dass man sich bis auf wenige Wochen im Jahr immer warm anziehen muss. Dass man immer Schuhe tragen muss, allein schon, weil es kalt oder nass ist. Wenn es bei uns nass ist, ist es auch warm, aber in Europa ist der Regen kalt, das sind wir nicht gewöhnt.

Ich schaue jetzt gerade den Lovebirds zu, den Papageien, die in meinem Garten herumspazieren und sich freuen, dass ich ihnen Wasser hingestellt habe, weil es jetzt ja schon monatelang nicht geregnet hat. Ein Webervogel hat nun bereits mehrere Nester in einen meiner Bäume gebaut, die hin und her schwingen. Er ist strahlend gelb und wunderschön.

Das helle Sonnenlicht ist ohne Sonnenbrille zu hell, so sitze ich mit Sonnenbrille draußen auf der Terrasse, schaue hinüber zum Lapa und überlege mir, ob ich mich dort in den Schatten setzen soll.

Es ist einfach nur schön, wenn man hier leben kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier je kalt und nass sein könnte, worüber meine Freunde in Deutschland klagen.

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