Ich kann es immer noch nicht so richtig fassen,

dass „Namibische Sonne“ nun fertig ist. Seit drei Jahren hat es wie ein Alpdruck auf mir gelastet, dass ich immer wieder daran dachte, dass das Buch schon angekündigt ist, dass es längst fertig sein müsste, dass es Leser gibt, die darauf warten. Vielleicht kann sich der eine oder andere das vorstellen, was das für ein Gefühl ist.

Jetzt ist Wochenende, und ich sitze hier, die Vögel singen – und ich muss nicht an „Sonne“ schreiben. Ich kann das Endprodukt lesen und mich daran freuen, dass ich es bald in gedruckter Form in Händen halten werde.

Was ich immer wieder schade finde, ist, dass Leser oft gar nicht verstehen (können), wie schwierig es ist, ein Buch zu schreiben. Sie lesen es in ein paar Stunden durch und meinen, es wäre auch genauso schnell geschrieben, beklagen sich sogar noch, dass es nicht länger ist oder beschimpfen die Autorinnen und Autoren, beleidigen sie, stampfen sie in den Boden, indem sie 1-Sterne-Rezensionen auf Amazon schreiben, dass das alles furchtbar langweilig wäre, was ich oder andere Autorinnen und Autoren da geschrieben haben.

Ich hoffe nicht, dass das mit „Sonne“ geschieht, aber verhindern kann ich es auch nicht. Jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen. Aber manchmal frage ich mich, was das für Menschen sind, die solche unhöflichen und unverschämten Rezensionen schreiben. Denken sie, die Autoren und Autorinnen haben keine Gefühle? Denken sie, wir sind aus Stein?

Es gab eine solche Rezension zu „Namibische Nächte“, und ich konnte wochenlang, vielleicht monatelang nicht schreiben, weil diese Rezension mich so verletzt hat. Das war mit ein Grund, warum es jetzt so lange gedauert hat, das Buch fertigzustellen. Eigentlich war ich mitten im Schreiben, das Buch hätte wirklich zum angekündigten Zeitpunkt erscheinen können, aber diese Rezension dieser Frau, die wahrscheinlich noch nicht einmal darüber nachgedacht hat, wie sehr sie mich mit ihren Worten verletzt hat, hat mich völlig außer Gefecht gesetzt. Ich hatte sogar das Gefühl, ich könnte nie wieder schreiben.

Wieso sind Menschen so grausam? Nicht jedem kann jedes Buch gefallen, das ist klar, aber wieso muss man die Autorin dann noch willentlich niedermachen und verletzen? Muss man so eine Rezension schreiben? Kann man nicht auch etwas Positives hervorheben, statt alles nur als schlecht zu bezeichnen? Ich denke, diese Person wäre nicht mal in der Lage, eine Kurzgeschichte zu schreiben, aber trotzdem denkt sie, sie könnte ein Urteil, ein vernichtendes Urteil, über ein Buch abgeben, das viel Arbeit und Schweiß gekostet hat. Nicht ein Wort des Lobes, nur bösartige Kritik.

Es hat lange gedauert, bis ich mich davon erholt habe, und dann kamen leider andere Dinge wie mein Unfall, als ich gerade wieder anfangen wollte zu schreiben. Diese Frau hat dafür gesorgt, dass dieses Buch nun drei Jahre später erscheint als geplant, und ich kann sie noch nicht einmal dafür zur Verantwortung ziehen.

Nun ja, ich hoffe, dass das diesmal nicht passiert, denn eigentlich habe ich schon das nächste Buch in Arbeit. Aber Rezensionen werde ich wohl nicht mehr lesen, denn bösartige Leute wird es immer geben.

Hier in Namibia wird man zu Respekt und Höflichkeit und Zurückhaltung erzogen, vielleicht fand ich es deshalb so ungewohnt, dass Leute kein Problem damit haben, andere Leute niederzumachen und zu beleidigen. Bei uns hier wäre das ein Zeichen für eine sehr schlechte Erziehung. Ich nehme an, in Europa ist es das auch, aber die Leute scheren sich nicht darum. Hier würden sie sich für so ein Verhalten schämen.

Wir sind wahrscheinlich etwas altertümlich hier in Afrika, das stelle ich immer wieder fest. Bei uns gelten noch Werte und Tugenden, die man in Europa wohl längst vergessen hat. Aber ich wünschte mir, das wäre auch für Europa nicht so. Höflichkeit und Respekt sind meines Erachtens Grundpfeiler des menschlichen Zusammenlebens, und wer nicht höflich ist, andere Leute und die Leistung anderer Leute nicht respektieren kann, ist ein sehr armer Mensch, ein bedauernswerter Mensch, auch wenn er das selbst gar nicht merkt.

Vielleicht liest das hier ja jemand und macht sich bei seiner nächsten Rezension ein bisschen mehr Gedanken darüber, dass hinter jedem Buch ein fühlender Mensch steht, der verletzt wird, wenn man ihn beleidigt, wenn man gedankenlos das niedermacht, was er geleistet hat.

Nicht nur bezüglich Büchern wäre das eine gute Einstellung. Würden wir uns in allen Aspekten des Lebens daran halten, wären wir alle bessere Menschen.

Höflichkeit und Respekt – zwei Dinge, die man nicht einfach so vergessen sollte.

2 Kommentare

  1. Ursula
    22. Okt 2016

    Ich kann das auch nicht fassen. Und ich finde es sehr, sehr schade, dass wir jetzt so lange auf das Buch warten mussten, nur weil so eine dumme Kuh – Entschuldigung, aber das musste sein – nicht auf ihr dummes Geschreibsel verzichten konnte.

    Ich hoffe aber, dass Sie sich nicht mehr von solchen Idioten erschüttern lassen und weiterschreiben. Ich freue mich auch schon auf das nächste Buch. 😀

    • Michelle van Hoop
      22. Okt 2016

      Vielen Dank, liebe Ursula. Ich freue mich, dass Sie sich freuen. 🙂

      Ja, ich werde versuchen, solche Leute in Zukunft zu ignorieren, aber das fällt manchmal schwer. Man hängt doch sehr an seinen Büchern.

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